Die Anpassung an den Klimawandel stellt Gemeinden zunehmend vor konkrete planerische Aufgaben. Insbesondere im Siedlungsraum gewinnen Durchgrünung und Entsiegelung an Bedeutung. Ziel ist es, versiegelte Flächen zu reduzieren, die Versickerungsfähigkeit des Bodens zu erhöhen und Grünstrukturen systematisch in die Ortsentwicklung zu integrieren.
Funktionale Vorteile, Potenziale im Bestand
Entsiegelte und begrünte Flächen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Klimaanpassung: Sie reduzieren sommerliche Überhitzung (Mikroklima), verbessern die Regenwasserbewirtschaftung durch Retention (Rückhaltung) und Versickerung und erhöhen die Biodiversität. Gleichzeitig steigern sie die Aufenthaltsqualität und wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung aus.
Im Fokus stehen bestehende Siedlungsflächen: Verkehrsflächen, überdimensionierte Parkräume, öffentliche Plätze sowie private Stellflächen und Dächer. Bereits kleinräumige Maßnahmen – etwa Baumpflanzungen, wasserdurchlässige Beläge oder Fassaden- und Dachbegrünungen – können eine messbare Wirkung entfalten. Voraussetzung ist eine integrierte Planung, die Freiraum, Wasserhaushalt und Nutzung gemeinsam betrachtet.
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Auf Landesebene setzt Südtirol mit dem Klimaplan 2040 und dem Gesetz „Raum und Landschaft“ klare Zielvorgaben zur Reduktion des Bodenverbrauchs und zur Aufwertung von Freiräumen. Auch auf staatlicher und europäischer Ebene (u. a. EU-Biodiversitätsstrategie und geplante Renaturierungsziele) wird die qualitative Entwicklung von Siedlungsräumen zunehmend priorisiert. Die Umsetzung erfordert finanzielle Ressourcen, interdisziplinäre Abstimmung und eine Abwägung konkurrierender Nutzungsansprüche (z.B. Verkehr vs. Grünraum). Zudem sind langfristige Pflege- und Erhaltungsstrategien notwendig.
INFOBOX Die Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung und das Amt für Landschafts- und Gemeindeplanung der Provinz Bozen Südtirol haben in diesem Zusammenhang ein „Handbuch zur Bodenentsiegelung“ veröffentlicht. Das Handbuch richtet sich an die Gemeinden und soll als Planungshilfe Bewusstsein für die Thematik schaffen und die Umsetzung von Entsiegelungsmaßnahmen unterstützen. Es liefert Hinweise über geeignete Flächen, gibt einen Überblick über unterschiedliche Entsiegelungsmaßnahmen und zeigt deren mögliche Kombination für unterschiedliche Raumtypen anhand von konkreten Beispielen auf. Das Handbuch ist über folgenden Link abrufbar: 15032026_Handbuch_de_web.pdf |
Projektauftakt zum „Entsiegelungs- und Durchgrünungskonzept Innichen“
Das Energieteam der Gemeinde Innichen hat nun gemeinsam mit dem beauftragten Planungsbüro ingena ein zukunftsweisendes Projekt gestartet. Aufbauend auf einer durchgeführten Potenzialanalyse und der systematischen Erhebung geeigneter Flächen sollen im Rahmen eines Entsiegelungs- und Durchgrünungskonzepts abgestimmte und funktionale Maßnahmen für den zentralen Siedlungsraum in Innichen entwickelt werden.
Durchgrünung und Entsiegelung sind hierbei keine Einzelmaßnahmen, sondern zentrale Elemente einer zukunftsfähigen Ortsentwicklung. Für Innichen bieten sie die Chance, Klimaanpassung, ökologische Qualität und Lebensraumgestaltung wirkungsvoll zu verbinden.